Steuertipps in der Corona-Krise

GRAFIK: Bundesfinanzministerium

Entlastungen für Unternehmer und Privatleute

Wegen der Corona-Krise geraten Tausende Selbstständige und Unternehmen in wirtschaftliche Probleme. Neben diversen Soforthilfe- und Kreditprogrammen haben Bund und Länder auch einige Steuererleichterungen beschlossen. Sie sollen die Liquidität der Unternehmen erhöhen. Für Arbeitnehmer gibt es ebenfalls Steuervorteile. 

Freundliche Worte an der Ladentheke, Beifall vom Balkon für das medizinische Personal – alles ein „schöner Ausdruck unserer Verbundenheit in dieser schweren Zeit. Aber wir wollen mehr tun, um die Helferinnen und Helfer angemessen zu würdigen“, sagte Finanzminister Olaf Scholz. Das Finanzministerium hat deshalb die Anweisung erlassen, dass in der Corona-Krise Bonuszahlungen an die Beschäftigten bis zu einer Summe von 1500 Euro steuer- und sozialabgabenfrei bleiben. Voraussetzung ist, dass die Prämien zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 zusätzlich zum normalen Arbeitslohn ausgezahlt werden. Allerdings muss der Corona-Bonus zusätzlich zum bereits vereinbarten Arbeitslohn dazukommen, sonst drohen Nachzahlungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Bisher sind noch keine Details bekannt, sodass auch Arbeitnehmer in Kurzarbeit oder Minijobber profitieren könnten. Was genau für den Corona-Bonus gilt, bleibt abzuwarten. Dazu gibt es in den nächsten Wochen ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

Home-Office und häusliches Arbeitszimmer infolge Corona

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Kurzarbeitergeld während der Corona-Zeit

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FOTO: Markus Spiske

Eine steuerliche Berücksichtigung des Arbeitsplatzes in der Wohnung als häusliches Arbeitszimmer setzt zum einen voraus, dass es sich um einen als Arbeitszimmer eingerichteten, separaten Raum handelt, der nicht privat genutzt wird. Zum anderen darf in der Firma kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Dies wäre in Corona-Zeiten dann der Fall, wenn der Arbeitgeber anordnet, dass die Arbeit für einen bestimmten Zeitraum von zuhause aus erfolgen muss. Liegen diese Voraussetzungen vor, gilt es zu ermitteln, welcher Anteil der Kosten für die Wohnung anteilig auf Ihr Arbeitszimmer entfällt. Einen Betrag in Höhe von bis zu 1.250 Euro wird als Werbungskosten berücksichtigt. Auch ohne ein solches Arbeitszimmer kann man Arbeitsmittel steuerlich absetzen, wenn man infolge von Corona zuhause arbeiten muss. Hierzu gehören z. B. Schreibtisch, Stühle, Computer, Notebook oder Büromaterialien. Sofern die Anschaffungskosten für die einzelnen Wirtschaftsgüter nicht mehr als jeweils 800 Euro netto (952 Euro brutto) betragen, kann der volle Betrag bei den Werbungskosten der Arbeitnehmertätigkeit berücksichtigt werden. Anderenfalls erfolgt eine Aufteilung der Kosten auf den Nutzungszeitraum. Die Kosten für die berufliche Telekommunikation kann man pauschal mit 20 Prozent monatlich, maximal 20 Euro ansetzen. 

Sobald mindestens zehn Prozent der Beschäftigten eines Betriebs von Arbeitsausfall betroffen sind, kann ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Die Arbeitsagentur übernimmt den Anteil des infolge der Kurzarbeit nicht gezahlten Lohns in Höhe von bis zu 60 Prozent des Nettolohns, bei Arbeitnehmern mit Kindern bis zu 67 Prozent des entgangenen Nettolohns. Der DGB schlägt vor das Kurzarbeitergeld befristet anzuheben, die staatlichen Zuschüsse von 60 auf 80 Prozent der Nettoeinbußen (87 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern) für die Monate Mai, Juni und Juli aufzustocken. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) unterstützt diese Forderung. Die CDU ist skeptisch. Auch Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das zusätzlich eingenommene Geld die Summe aller Ihrer Einnahmen näher an die nächste Progressionsstufe heranrückt. Jeder Euro darüber wird nach dem jeweils höheren Stufentarif stärker besteuert.

Leistungen bei Quarantäne

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Auch wenn sie nicht erkrankt sind, besteht die Gefahr, dass die Behörden Mitarbeiter unter Ansteckungsgefahr unter Quarantäne stellt. Wenn dann eine Arbeit im Homeoffice nicht in Frage kommt, zahlt der Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen Ihr Gehalt weiter; dies wird ihm dann von den Behörden erstattet. Sollte es noch länger dauern, erhält man nach sechs Wochen Krankengeld. Sofern ein Kind erkrankt ist, erhält man für maximal zehn Tage Krankengeld und sofern man alleinerziehend ist, für bis zu 20 Tage.

Voraussetzungen für Steuererleichterungen

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Debatte über Senkung der Mehrwertsteuer für Gastronomie

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FOTO: Erik Mclean

Das Bundesfinanzministerium und die Landesfinanzbehörden haben die Finanzämter dazu angewiesen, Anträge von Unternehmern auf Steuererleichterungen und -erstattungen großzügig und unbürokratisch zu bearbeiten. Doch in den Genuss dieser Hilfen kommen Unternehmer nur, wenn sie dem Finanzamt plausibel nachweisen können, dass sie von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich betroffen sind. Haben Unternehmer wegen des Coronavirus Umsatzeinbußen oder sitzen sie auf unbezahlten Rechnungen, müssen sie Prioritäten setzen, welche Zahlungen sie vorrangig leisten wollen. Wer zu dem Ergebnis kommt, dass er seine Steuerschulden wegen Corona vorerst nicht begleichen kann oder will, sollte beim Finanzamt um einen Aufschub bitten. Im Fachjargon spricht man von einer Stundung. Normalerweise verlangt das Finanzamt bei einer Stundung Stundungszinsen. Wenn Unternehmen jedoch plausibel nachweisen, dass sie wegen Corona Zahlungsschwierigkeiten haben, können die Steuerzahlungen bis mindestens 31. Dezember 2020 zinslos gestundet werden.

Der Gaststättenverband Dehoga hatte als Teil eines Rettungspakets eine Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes vorgeschlagen. Derzeit gilt für Speisen, die in einem Restaurant, einem Café oder einer Bar verzehrt werden, eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Für Gerichte, die der Gast mitnimmt oder nach Hause bestellt, fallen in der Regel nur sieben Prozent an. Auch einige Ministerpräsidenten und Minister in Bundesregierung erwägen eine Senkung der Mehrwertsteuer für Gastronomie und Beherbungsbetriebe, um eine Pleitewelle bei Hotels und Gastwirten verhindern.

 TEXT HANS-WERNER MAYER