Nachhaltigkeit im Alltag

vorangehen

An beinahe jeder Stelle unseres Alltags können wir mit geringem Aufwand einen entscheidenden Beitrag leisten. Ziel ist nicht nur, weniger CO2 und andere Klimakiller in die Atmosphäre zu pumpen. Bei den folgenden zehn Tipps geht es auch darum, Rohstoffe effizienter zu nutzen, den Raubbau an der Natur zu stoppen, sinnvoll mit dem knapper werdenden Wasser zu wirtschaften und weniger Gifte in die Umwelt zu spülen.

_1. Gesünder essen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Fleischkonsum von 15,6 kg für Frauen und 31,2 kg für Männer im Jahr – das entspricht 300 bis 600 Gramm in der Woche. Der heutige Verzehr beträgt in etwa das Doppelte, fast 28 Prozent der Bevölkerung essen täglich Fleisch. Das ist nicht nur ungesund, sondern bedeutet auch einen viel zu hohen CO2-Ausstoß durch Massentierhaltung. So sind 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Haltung und Verarbeitung von Tieren zurückzuführen. Außerdem trägt der Fleischkonsum aufgrund des hohen Bedarfs an Soja als Futtermittel insbesondere in Südamerika zur Rodung von Urwäldern und der Zerstörung von Ökosystemen bei, was ebenfalls zum vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen führt.

_2. Lebensmittelverschwendung reduzieren

Durch Produktion, Transport und Lagerung verursacht unser Ernährungsstil jährlich im Durchschnitt 1,75 Tonnen CO2 pro Kopf. Außerdem landen mehr als zehn Millionen Tonnen guter Lebensmittel allein in Deutschland jedes Jahr in der Tonne. Ein völliger Irrsinn angesichts des hohen Flächen- und Rohstoffverbrauchs, den Nahrungsmittel verursachen. Lebensmittel sind das vielleicht größte Feld, in dem der einzelne Verbraucher durch sein Verhalten Veränderungen zum Besseren bewirken kann. Auch bewusster Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten und ein geordneter Kühlschrank helfen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Fast 22 Millionen Tonnen CO2 könnten durch vermeidbare Lebensmittelverluste eingespart werden, mehr als doppelt so viel, wenn man die dadurch reduzierte Flächennutzung mit einbezieht.

_3.Weniger shoppen

Pro Person werden in Deutschland jährlich im Schnitt 26 Kilogramm Textilien gekauft, davon mehr als zwölf Kilogramm Kleidung. Das bedeutet während der Produktion eine enorme Menge an CO2-Ausstoß. So werden beispielsweise bei der Herstellung eines Damen T-Shirts circa 10,75 Kilogramm CO2 freigesetzt. Wer weniger neue Kleidung kauft, spart Geld und gleichzeitig CO2. Besser ist es einfach Flohmärkte oder Secondhandläden zu nutzen oder im Bekanntenkreis zu tauschen. Der Verkauf von privat zu privat bietet sich vor allem bei Kleidung und Kinderprodukten an. Gut gemachte Apps haben auch das Internetshopping für Gebrauchtes noch einmal deutlich bequemer und übersichtlicher gemacht.

_4. Internetshopping begrenzen

Gerade bei Büchern ist es sinnvoll, im eigenen Viertel zu kaufen. Wer die Telefonnummer der nächstgelegenen Buchhandlung kennt, kann sich das gewünschte Buch zum nächsten Tag bestellen. Auch der nächste Elektronikgroßhändler liegt nicht selten in der Nähe des täglichen Weges. Sich das gewünschte Produkt klassisch zu kaufen, ist oftmals befriedigender, als nach der Arbeit in einer der wenigen Postfilialen anzustehen, wo das Paket abgegeben wurde. Anstatt vieler kleiner, einzeln verpackter Artikel kann man sich auch Produkte speichern und erst nach ein paar Tagen als Sammelbestellungen zusammen mit anderen Einkäufen liefern lassen. Rücksendungen werden oft verschrottet, weil das die Händler am Ende günstiger kommt. Deshalb ist es besser, nur gut überlegte Bestellungen aufzugeben, um Retour-Pakete zu vermeiden.

_5. Teilen macht Freude

Viele Gegenstände in unserem Besitz benutzen wir nur selten. Dabei waren sie oft teuer in der Anschaffung, nehmen zu Hause Raum ein. Und auch aus Sicht der Umwelt wird vieles schlicht völlig umsonst produziert. Dabei kosten Herstellung und Transport jedweden Produkts Energie und Rohstoffe. Nachhaltiger ist es deshalb zu teilen, indem man all diese Dinge verleiht oder selbst ausleiht: selten genutzte Haushaltsgegenstände wie der Schlagbohrer oder die Nähmaschine. Das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund bieten eine Linksammlung zu diversen Plattformen, die uns dabei unterstützen.

_6. Mehr Bewegung

Die vom Autoverkehr verursachte Umweltbelastung ist in den letzten Jahren um 6,4 Prozent gewachsen. Das Auto ist in Deutschland der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen, denn Autoverkehr verursacht rund 18 Prozent unseres gesamten CO2-Ausstoßes. Kein Wunder: Gerade auf dem Land ist ein Leben ohne Auto für die meisten nicht mehr möglich. Berufspendler sind auf individuelle Mobilität angewiesen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zumindest weniger Auto zu fahren. Oft lohnt es sich, es durch privates Carsharing zu teilen. Der Markt für Fahrradanhänger und Lastenräder, ob mit oder ohne Elektroantrieb, erlebt enorme Zuwachsraten. Inzwischen ist für jeden etwas dabei und Erledigungen können eher auch einmal ohne Auto gestemmt werden. In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass eine Berufspendlerin oder ein Berufspendler, die oder der werktags je fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit hin und zurück fährt, im Jahr rund 350 Kilogramm CO2-Emissionen einsparen kann, dazu Geld spart und etwas für die eigene Gesundheit tut.

_7. Energie sparen

Weil viele Geräte heute weniger Energie verbrauchen als früher, entfällt auch eher das schlechte Gewissen, wenn die Geräte unnötig laufen. Es bleibt daher absolut sinnvoll, Strom- und Wasserverbraucher aktiv einzuschränken. Kleine Einsparungen lassen sich schon damit erreichen, indem Sie das Licht ausschalten, wenn Sie einen Raum länger nicht betreten, oder einen Bewegungsmelder für Ihr Außenlicht anbringen. Ein Stromzähler kostet wenige Euro und steckt zwischen dem Stromkabel und der Steckdose. So werden schnell Stromfresser entlarvt. Wichtig: Geräte mit Stand-by-Modus auch einmal ausgeschaltet messen. Am besten ist es alle Stand-by Geräte über Nacht und im Urlaub ganz vom Strom zu nehmen. Eine Steckdosenleiste mit Kippschalter ist der simpelste Schritt. Die meisten WLAN-Router können recht einfach darauf eingestellt werden, sich selbst zu bestimmten Uhrzeiten abzuschalten, etwa während der Arbeitszeit oder Nachtruhe. Größere Veränderungen sind das Austauschen von Haushaltsgeräten mit modernen, energieeffizienten Geräten und das zusätzliche Isolieren Ihres Hauses. Und zu einem Ökostromanbieter kann man im Internet schon innerhalb von zehn Minuten wechseln.

_8. Pflegen und reparieren was man besitzt

Fakt ist: Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Und weil die Reparaturen oft so teuer sind wie neue Geräte, ist die Entscheidung für die Neuanschaffung schnell getroffen. So lange es sich jedoch für Unternehmen nicht lohnt, vor allem an der Langlebigkeit ihrer Produkte zu arbeiten, liegt das Heft des Handelns bei uns. Wir sollte uns auch dann für die Reparatur entscheiden, wenn wir uns ein Neugerät leisten könnten. Beim Smartphone etwa sind in den vergangenen Jahren Reparaturläden aus dem Boden geschossen und diese können längst nicht nur zertrümmerte Displays tauschen. Auch für andere Haushaltsgeräte finden sich zumindest in Städten inzwischen viele Repair-Cafés, in denen man mit enthusiastischen Bastlern einen Rettungsversuch unternehmen kann.

_9. Fernreisen einschränken

Obwohl Flugzeuge heutzutage wesentlich energieeffizienter sind als im letzten Jahrhundert, entsprechen die Emissionen eines Langstreckenflugs von Frankfurt nach New York in etwa einem Auto, das sechs Monate jeden Tag 100 Kilometer fährt. Und falls man doch einmal fliegen muss, sollte man immer Direktflüge wählen, denn das meiste Kerosin verbrauchen Flugzeuge beim Start und bei der Landung.

_10. Geld sinnvoller nutzen

Der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank ist eine Investition in den Klimaschutz. Nach eigenen Schätzungen muss die Europäische Union zur Umsetzung der Klima-und Energieziele jährlich 180 Milliarden Euro an Kapital mobilisieren. Ohne nachhaltig ausgerichtete öffentliche und private Investitionen wird diese gewaltige Aufgabe nicht zu stemmen sein. Wer sich vornimmt, im neuen Jahr die eigenen Finanzen neu zu ordnen, kann die Chance direkt nutzen, um zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln und über diese das eigene Geld in Projekte zu investieren, die positiv auf die Klima- und Energieziele einzahlen.

TEXT: Hans-Werner Mayer
FOTO 1: www.trendsetter-weltretter.de
FOTO 2: Markus Spiske