HIMMELSKARTE MIT MILLIARDEN STERNEN

FOTO: ESA

ESA-Weltraumteleskop erforscht die Milchstraße

Das ESA-Weltraumteleskop lieferte die bisher genaueste Karte unserer Galaxie, inklusive hochpräziser Messungen von fast 1,7 Milliarden Sternen, sowie bisher nicht sichtbaren Details unserer Milchstraße. Mithilfe der Daten der Weltraumsonde wurden über eine Milliarde Sterne unserer Galaxie vermessen. Das soll dabei helfen, einige Geheimnisse unserer Milchstraße zu lösen.

Gaia ist 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt um die Achse Sonne-Erde ausgerichtet. „Die Sonde dreht sich alle sechs Stunden um sich selbst. Dank der Bewegungen kann die gesamte Galaxie beobachtet werden und so haben wir in ein paar Jahren eine komplette Karte des Himmels“, sagt die Gaia-Projektmanagerin Chantal Panem. Wissenschaftler erhoffen sich das beste Bild, das wir je von der Milchstraße hatten. Einen solchen Sternenkatalog zu erstellen ist seit Langem ein Ziel der Astronomen.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Milchstraße eine Scheibe mit einer spiralförmigen Struktur ist, alles dreht sich. Aber bereits mit den bisher veröffentlichten Gaia-Daten beobachten wir, dass sich die Sterne, die etwas weiter von unserer Sonne entfernt sind, nicht so regelmäßig verhalten, wie wir erwartet hatten. Sie werden gestört, etwas hat unsere Milchstraße gestört. Wir wissen noch nicht was. Aber viele Studien werden sich auf diesen speziellen Aspekt konzentrieren“, betonte der finnische Astronom Timo Prusti, der das Gaia-Wissenschaftsteam der ESA leitet.

Die Möglichkeit, die Geschichte und Zukunft unserer Galaxie von innen – aus der Milchstraße selbst – zu studieren, verspricht eine Menge Entdeckungen für alle Bereiche der Astronomie und man hofft, dass die neuen Daten von fast 1,7 Milliarden Sternen dabei helfen werden, die großen Fragen zu lösen: Aus wie vielen Spiralarmen besteht unsere Galaxie? Wurden sie zur gleichen Zeit geboren? Haben die Spiralarme eine bestimmte Entstehungsgeschichte. Ist vielleicht einer der Arme das Ergebnis einer Fusion mit einer externen Galaxie?

Die Astronomie hat einen langen Weg zurückgelegt, seit diese Sternwarte vor 351 Jahren gegründet wurde. Weltraumteleskope ermöglichen präzise Messungen von Objekten, die Millionen Lichtjahre entfernt sind. Und wir sehen, dass sich alles bewegt. Nichts ist fest. Alles bewegt sich. Wir drehen uns mit der Erde mit 30 Kilometern pro Sekunde um die Sonne. Das sind 100.000 Kilometer pro Stunde. Und dann das Sonnensystem selbst, es bewegt sich in der Galaxie mit 230 Kilometern pro Sekunde. Das ist gewaltig. Die Veröffentlichung erster Gaia-Daten markiert einen Meilenstein in der Erforschung der Milchstraße. Aber das ist erst der Anfang: Die Raumsonde sendet elf Stunden am Tag ihre Messungen. Es wird also weitere Datenfreigaben in den nächsten Jahren geben.

TEXT HANS-WERNER MAYER