Flexibel sei das Unternehmen, kommunikativ und innovativ

Wie Corona die Arbeitswelt verändert

In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Thema Kommunikation. Wir ergründen, wie es gelingt, dass Kollegen und Kolleginnen untereinander und zugleich mit dem Unternehmen im Homeoffice in Kontakt bleiben. Was kann ein Unternehmen tun, um von zuhause aus präsent zu bleiben?

Cawa Younosi ist Personalchef bei SAP, flüchtete als Jugendlicher von Afghanistan nach Deutschland. Der studierte Jurist setzt sich seit 2009 bei SAP unter anderem für das Thema Gleichberechtigung ein. Foto: SAP

Die SAP hat schon lange den Ruf als Arbeitgeber nah dran zu sein an den Mitarbeiter*innen. Eine gesunde Work-Life-Balance steht weit oben auf der Prioritätenliste des Software-Unternehmens. Auch bereits vor dem Lockdown im vergangenen Frühjahr waren flexible Arbeitsmodelle und zwei bis drei Remote-Work-Tage gängig, erklärt Cawa Younosi, Personalchef bei SAP Deutschland, in einem Interview mit HRM-Online.

Die bereits vorhandenen digitalen Strukturen der Branche sind ein zusätzlicher Heimvorteil von SAP. So konnte während des Shutdowns die Konzentration vor allem auf Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen gerichtet werden. Ihre transparente Kommunikation und ausgeprägte Feedback-Kultur ist noch ein Grund, warum der SAP das vielleicht besser gelang als vielen anderen Firmen. Diese machte sich besonders während der Anfänge des kompletten Lockdowns bemerkbar, als es darum ging, den Problemen mit der Heimarbeit auf den Grund zu gehen. Individuelle Lösungen für individuelle Herausforderungen, wie beispielsweise die Vereinbarkeit von Home-Schooling und Homeoffice, findet man natürlich nur, wenn Mitarbeitern*innen mit der Personalabteilung offen über ihre Schwierigkeiten reden können. Damit verweist Cawa Younosi auch auf eines der wichtigsten SAP Prinzipien: „Zuhören. Gut zuhören.“

Deshalb gibt es seit einigen Monaten verschiedene Maßnahmen wie den Virtuellen Feierabend und „Never Lunch Alone“, um alleinstehende Mitarbeiter*innen sozial einzubinden und das Büro als einen Ort des sozialen Geschehens nicht aus den Augen zu verlieren. Der Anschluss zwischen den Kolleg*innen soll so wenig wie möglich durch die geografische Distanz beeinträchtigt werden. Angestellten mit Kindern versichert die „Pandemic Taskforce“ unter Cawa Younosi, dass es keine Gehaltseinbußen bei Beeinträchtigung der Arbeitszeit durch Kinderbetreuung geben wird. Mit diesen individuellen Maßnahmen zur Entlastung schafft die SAP viel Vertrauen und dieser Einsatz macht sich ganz klar bezahlt: 97Prozent der Mitarbeiter*innen würden, laut glassdoor. de, die SAP als Arbeitgeber ihren Freunden weiterempfehlen — auf der eigenen Website wirbt SAP lediglich mit bescheidenen 94 Prozent.

Längst gibt es auch Strategien für den Übergang vom Homeoffice zum Präsenz-Büro. Und die SAP wäre nicht SAP, wenn sie dafür keine App entwickelt hätte. Um die Sicherheit vor Ort zu garantieren, können Mitarbeiter*innen seit Juli von zuhause aus per App ihre Arbeitszeiten buchen. Die Workspace-Booking-App koordiniert dann ganz transparent die Büro Belegung mit den aktuellsten Corona Verordnungen und Hygiene-Bestimmungen. „Solange die Pandemie eine Bedrohung für den Menschen und die Weltwirtschaft darstellt, muss die Rückkehr der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz streng reguliert und kontrolliert werden.“ (Caroline Schuettig, „SAP hilft Unternehmen, Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen“, 27.07.2020)

Das 21. Jahrhundert, mit all seinen Unsicherheiten und Unvorhersehbarkeiten, erfordert längst flexiblere Arbeitsmodelle und Remote-Work. Dies ist heutzutage — der Digitalisierung sei Dank—technisch ja auch problemlos umsetzbar. Natürlich können unterschiedliche Arbeitszeiten und der Abstand zwischen den Arbeitsplätzen die interne Kommunikation eines Unternehmens erschweren. Gerade deshalb ist es umso wichtiger den Informationsfluss am Laufen zu halten. SAP Deutschland zeigt wie essenziell der offene Dialog sowohl in Krisensituationen als auch im Normalzustand ist, um Probleme überhaupt erst aufzuzeigen und im Anschluss anzugehen. Nur eine Unternehmenskultur, die von innen heraus reflektiert und transformiert wird, kann inklusivere Lösungen für zukünftige Herausforderungen finden. Eines jedenfalls können wir von der SAP lernen, nämlich, dass es wichtig ist, gerade in unserer Zeit, in der sich die Marktanforderungen immer schneller und tiefgreifender verändern, Unternehmen gezwungen sein werden, flexibel und dynamisch auf diese Veränderungen zu reagieren und dabei ihre bisherigen Konzepte, Strategien und Strukturen neu zu überdenken.

TEXT Katharina Oehmichen