FEHLENDE SENIORENWOHNUNGEN IN DARMSTADT

Barrierefreie Dusche: Mit Blick auf den demografischen Wandel fordert die IG BAU mehr Anstrengungen beim altersgerechten Bauen und Sanieren. FOTO: IG BAU

Generation Ü65 wächst in Darmstadt bis 2035 um 27 Prozent

Wegen Corona zuhause bleiben – gerade auch ältere Menschen schützen sich so effektiv vor dem Virus: Doch vielen Senioren macht dabei ihre nicht altersgerechte Wohnung zu schaffen.
Barrierefreie Duschen, breite Türen für den Rollator und ein Lift statt Treppe sind allzu oft Fehlanzeige.

Nach Einschätzung der IG BAU ist nur ein kleiner Teil der Wohnungen in Darmstadt für die Generation Ü65 geeignet. Dabei wird diese Altersgruppe in den nächsten Jahren deutlich wachsen, so die Gewerkschaft mit Blick auf eine aktuelle Demografie-Prognose für die Stadt.

In Darmstadt könnte die Zahl der Menschen, die älter als 65 sind, bis zum Jahr 2035 auf 34.600 anwachsen – das sind 27 Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Ihr Anteil an der Bevölkerung läge dann bei 20 Prozent. Darauf hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hingewiesen. Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine Demografie-Prognose des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft – und fordert mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen: „Lift statt Treppe, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen – nur ein kleiner Teil der Wohnungen in der Stadt ist für die rasant wachsende Generation Ü65 geeignet. Das muss sich ändern“, sagt Bruno Walle.

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Rhein-Main spricht von einer „demografischen Notwendigkeit“. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentnergeneration nicht stärker berücksichtigt wird droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont Walle. Dieses Problem werde bereits jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zuhause verbringen müssten. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) biete mit ihrem Programm »Altersgerecht Umbauen« zwar Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro in diesem Jahr reiche aber nicht aus, kritisiert die IG BAU. Der Bund müsse die Förderung mindestens verdoppeln, um das Senioren-Wohnen voranzubringen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus: Laut Haushaltsplan stehen für die altersgerechten Sanierung im nächsten Jahr nur noch 130 Millionen Euro zur Verfügung.

Am Ende stehe die Lebensqualität Tausender Menschen in Darmstadt auf dem Spiel. „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, macht Walle deutlich.

TEXT Hans-Werner Mayer