Die schnellste Drohne der Welt kommt aus Weiterstadt

ALLE FOTOS: Wingcopter GmbH

Produktion von mehreren tausend Fluggeräten pro Jahr geplant

Die elektrisch angetriebenen Drohnen der Wingcopter GmbH können senkrecht auf kleinstem Raum starten und landen und fliegen lange Strecken genauso effizient und schnell wie Flächenflugzeuge. Hierdurch werden Reichweiten von bis zu 120 Kilometern und eine Guinness-Weltrekordgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern ermöglicht. Selbst bei kräftigem Wind bis zu 70km/h oder schlechtem Wetter fliegt der Wingcopter autonom und zuverlässig.

Das Start-up, das aus der Hochschulgruppe Akaflieg der TU Darmstadt hervorging, ist auch als Unternehmen ein Senkrechtstarter. Vor gerade einmal drei Jahren wurde es von den Darmstädter Studenten Tom Plümmer und Jonathan Hesselbart gegründet. Nun bereiten sie die Massenproduktion ihrer Lieferdrohnen vor. Dafür haben sie eine Finanzspritze von 22 Millionen Dollar erhalten, unter anderem von Xplorer Capital aus dem amerikanischen Silicon Valley, aber auch vom hessischen Wachstumsfonds Futury und vom Land Hessen. Das Geld ermöglicht ein deutlich schnelleres und weltweites Wachstum. Größter Kapitalgeber bislang war ein Finanzinvestor aus Singapur, der im Dezember 2019 einen einstelligen Millionenbetrag bereitgestellt hatte.

Es ist ein kleiner Schwenk, der die Drohne von Wingcopter zu etwas Besonderem macht. Die Rotoren, die das weiße Fluggerät senkrecht in die Höhe heben, klappen nach dem Start im rechten Winkel um. Aus dem mannsgroßen Senkrechtstarter wird so ein zwischen 130 und 240 Stundenkilometer schnelles Flugzeug. Das aktuelle Wingcopter-Modell hat eine Spannweite von 178 Zentimetern, kann 5.000 Meter hochsteigen, bis zu 120 Kilometer weit fliegen und maximal sechs Kilogramm Nutzlast transportieren. Das Unternehmen wirbt damit, den Geschwindigkeitsrekord mit 240 Kilometern pro Stunde für Drohnen aufgestellt zu haben

Die Herren der Drohne: JONATHAN HESSELBARTH, TOM PLÜMMER, ANSGAR KADURA

Der Markt mit Lieferdrohnen ist milliardenschwer und wächst schnell. Viele Unternehmen rund um den Globus hoffen hier auf den großen Wurf – und das Darmstädter Start-up steht im Wettbewerb mit Konzernen wie Amazon und Google. Vor wenigen Wochen ist das Unternehmen in die frühere E-Bike-Montagehalle von Riese & Müller in Weiterstadt gezogen. Auf 7.200 Quadratmetern Fläche wird hier nun die Serienproduktion der unbemannten Lieferdrohnen aufgebaut. Zehntausende sollen in der Fabrik hergestellt werden. Know-how aus der Automobilindustrie soll dabei helfen. Mehr als 100 Mitarbeiter hat das drei Jahre alte Start-up inzwischen eingestellt, 130 sollen es am Ende dieses Jahres sein.

Ein militärischer Einsatz der Wingcopter wird kategorisch ausgeschlossen. Man will sich zunächst ganz auf Logistik konzentrieren, später auch kommerzielle Erkundungsflüge anbieten. Seit mehr als einem Jahr testen die Gründer mit verschiedenen Partnern, wofür das Fluggerät eingesetzt werden kann. Die Weltkinderhilfsorganisation UNICEF etwa nutzte sie für Medikamentenlieferungen in Afrika, der Logistikkonzern UPS würde sie gern für Paketlieferungen einsetzen, und das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck ließ sie fliegen, um Pigmentproben von Gernsheim ins 25 Kilometer entfernte Darmstadt zu transportieren. In Südostasien wird die Lieferung von Covid-19-Impfstoffen getestet. Die bereits erfolgten Einsätze in den Krisengebieten in Afrika zeugen von ihrer Einsatzfähigkeit. Dieses Geschäftsfeld wolle man ausbauen, auch für die Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19.

Weitere Info finden Sie unter: https://wingcopter.com

TEXT Hans-Werner Mayer