Der Concept Store als wahre Inspirationsquelle

FOTO: Andrea Groß

Wo Haltung das Angebot bestimmt

Peter Heckmann ist eine Darmstädter Institution. Seit mehr als 40 Jahren bietet er in seinem Concept Store eine perfekte Mischung aus Warenhaus, hochwertiger Mode und diversen Überraschungen.
Bei einem Besuch in der Schulstraße erfahren wir, wie sehr er sich über Nachhaltigkeit und Umweltschutz Gedanken macht und seine Haltung auch sein Angebot bestimmt.

Schon beim Entrée spürt man seine ganz persönliche Handschrift und die Leidenschaft für’s Detail. Vintage Fundstücke zieren den Laden und sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre. Ein herausgeputzter Schrank, gefunden unter einem Berg von Gerümpel in einer alten Scheune, gibt dem Laden das gewisse Etwas. Hier und da bleiben die Wände unverputzt, Industrielampen hängen über der Ladentheke aus Holz. Eine echte Wohlfühloase, quasi ein zweites Zuhause, in dem Einkaufen beinahe so etwas ist wie ein Lebensgefühl. Peter Heckmann, von den meisten auch liebevoll Pit genannt, beweist nicht nur einen sehr guten Geschmack in Sachen Einrichtung und Einkauf, er hat auch immer interessante Stories zu erzählen.

Peter Heckmann im Interview. FOTO: Andrea Groß
Peter Heckmann im Interview. FOTO: Andrea Groß

Wir sprechen mit ihm über ein Thema, das ihm in der Tat besonders am Herzen liegt: Überflüssiger Konsum und die dadurch entstehende Doppelmoral bezüglich Nachhaltigkeit.
Denn, so sagt er, das alles habe für ihn mit Haltung zu tun und die fängt ja meist schon im Kleinen an.

„Mich persönlich stört vor allem die Doppelmoral. Wenn heute selbst von teilweise zertifizierten Betrieben Textilien produziert werden, die dann für vier Euro verkauft werden, geht mit Sicherheit ein Teil der Wertschöpfungskette verloren. Das hat dann natürlich überhaupt nichts mit vernünftigem Handeln zu tun“, konzertiert Pit Heckmann. Wenn man dagegen in seinem Geschäft ein T-Shirt beispielsweise von Merz b. Schwanen kauft, das in Portugal zu vernünftigen Bedingungen hergestellt wurde, dann kann man es sicher fünf oder sechs Jahre tragen. Und das ist dann schon eher nachhaltig, begründet Heckmann seine Philosophie.

Und er erzählt in diesem Zusammenhang noch ein wunderbares Beispiel für Doppelmoral. Im November fragte ihn eine Kundin nach Strohhüten, die aber aus Umweltschutzgründen keinesfalls einen weiten Transportweg aus China oder sonst wo haben durften. Er zeigt ihr ein Model und auf seine Frage, wofür sie denn im Winter den Strohhut benötige, sagte die Dame, sie fliege demnächst zum Tauchen auf die Malediven.

Grundsätzlich findet Heckmann aber gut, dass seine Kunden jetzt öfter nachfragen, wo die Produkte hergestellt werden. „Zum Glück kann ich bei einem Großteil meines Sortiments klar definieren, wer sie hergestellt hat und aus welchen Materialien sie gefertigt wurden“, betont Heckmann. Die meisten Waren in seinem Angebot kommen von Klein- und Kleinstbetrieben aus Portugal oder Italien. Viele seiner Produzenten und deren Betriebe kennt er persönlich. Das sei ihm ungeheuer wichtig, betont er. Denn nur so könne er auch sicher sein, dass die Wertschöpfungskette eingehalten werde und die Textilien unter ordentlichen Bedingungen produziert wurden.

„Selbst in Bangladesch kenne ich“, berichtet Heckmann weiter, „ein Kombinat von Frauen, die Blusen in bester Qualität herstellen. Das erkennt man etwa daran, wie ein Knopf angenäht wurde. Mit unseren Aufträgen unterstützen wir diese Frauen, die nur so in der Lage sind ihre Familien zu ernähren und ihre Kinder zur Schule zu schicken“.

Man darf eben nicht pauschalisieren und diese mit den großen Playern vergleichen.

Dass die Käuferschaft etwas kritischer geworden ist, merkt er vor allem, seitdem die „Fridys-for-Future“ – Bewegung immer mehr in das öffentliche Interesse gerückt ist. „Ohne Greta Thunberg“, merkt Heckmann an, „wäre wohl nichts in dieser Geschwindigkeit in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz passiert“.

An dieser Stelle schließt sich für Pit Heckmann gewissermaßen der Kreis. „Für mich persönlich bedeutet Nachhaltigkeit, wieder dahin zurückzukehren, wo meine Großmutter bereits war“, so Heckmann und erzählt weiter, „nachdem sie den Salat gewaschen hatte, fing sie das Wasser auf und wässerte anschließend damit die Beete im Garten. Geheizt und beleuchtet wurden nur die Räume, in denen man sich befand. Ich habe zwar keinen eigenen Garten, kaufe aber am liebsten saisonal und regional, auf dem Wochenmarkt oder beim Metzger meines Vertrauens“, ergänzt Heckmann. Für ihn heißt das aber auch: Weitestgehend auf Plastik zu verzichten und da es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln immer besser wird, bleibt das Auto so oft wie möglich stehen. Es sind scheinbar diese banalen Dinge, an denen er sich orientiert.

FOTO: Andrea Groß

Insofern passt sein Grundsatz zu seiner Unternehmensphilosophie und überrascht deshalb auch nicht mit seinem Statement: „Heute ist der beste Konsum, den man nicht macht.“ Man soll sich immer die entscheidende Frage stellen: „Was brauche ich wirklich?“ darum biete er nur Dinge an, die man nicht in Massen kauft, mit denen man sich eine Freude macht, die dann sehr lange anhält. Das sei schließlich der beste Beitrag zur Nachhaltigkeit.

TEXT: Hans-Werner Mayer | Friederike Oehmichen
INTERVIEW: Friederike Oehmichen