»DARMSTADT WIRD EINE STADT IM WALDE BLEIBEN«

ANKE BOSCH, Leiterin des Darmstädter Grünflächenamtes, Foto: Stadt Darmstadt

Stadtgespräch mit Anke Bosch, der neuen Leiterin des Grünflächenamts

Anke Bosch leitet seit Anfang Oktober das Darmstädter Grünflächenamt. Geboren wurde sie in Krefeld, studierte an der Fachhochschule in Geisenheim Garten- und Landschaftsarchitektur und arbeitete nach dem Studienabschluss 1992 einige Jahre freiberuflich. Anschließend wechselte sie in Teilzeit zur Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt. Jetzt übernahm sie die Position von Doris Fath, die im Frühjahr in gleicher Funktion nach Karlsruhe gewechselt war.

Die 54-Jährige lebt seit 1986 in Darmstadt und hat zwei erwachsene Kinder. Sie ist Mitglied der Vertreterversammlung der Architekten- und Stadtplanerkammer in Hessen und arbeitet im Vorstand der Hessischen Vereinigung für Naturschutz und Landschaftspflege sowie im »Bundesverband beruflicher Naturschutz« ehrenamtlich mit. Von 1989 bis 1992 studierte Anke Bosch an der Fachhochschule in Geisenheim Garten- und Landschaftsarchitektur. Ab 2009 war sie stellvertretende Dezernatsleiterin bei Hessen Mobil und bei der Planung eines großen Autobahnprojektes durch den Werra-Meißner-Kreis beteiligt. Wir haben Frau Bosch zu ihrer Tätigkeit befragt:

»M« Magazin: Frau Bosch, Sie sind seit Anfang Oktober neue Leiterin des Grünflächenamts. Wo setzen Sie Ihre Prioritäten?
Anke Bosch:
Die Stadt Darmstadt ist bereits jetzt eine gut durchgrünte Stadt. Ziel ist es, den bestehenden Baumbestand durch gute Pflege und Standortverbesserung zu bewahren sowie eine Erhöhung der Baumanzahl in der Stadt zu erreichen. Dies dient der Klimaresilienz der Stadt und bereichert das Stadtbild. Parallel zur Nachverdichtung von Siedlungsbereichen ist die Qualifizierung von Grünflächen notwendig, um den steigenden Nutzungsanforderungen gerecht zu werden. Außerdem sind bei Siedlungserweiterungen großzügige neue Grünanlagen einzuplanen. In allen Bereichen, egal ob Neu- und Umplanung von Grünflächen, Wald, Stadtbäumen, Grünanlagen, Parks und Friedhöfen, soll der Biodiversitätsansatz greifen: Strukturanreicherungen durch Stauden, krautreiche Ansaaten und Zusatzstrukturen wie Holz und Stein, Verringerung der Pflegeintensität u.v.m. Aber es ist immer zu überlegen, wo was zu welcher Nutzung passt und welche Kriterien, z. B. Historische Gartenaspekte, zu berücksichtigen sind und gegebenenfalls überwiegen.

»M« Magazin: In der letzten Zeit wurden bei Gestaltung von Stadtplätzen Kritik laut. Wie wollen Sie die weitere Versiegelung durch Beton verhindern?
Anke Bosch:
Für Stadtplätze ist das Grünflächenamt nicht zuständig. Bei Beteiligungen an Neugestaltungen vertreten wir gerne den Ansatz auch dort für eine Durchgrünung zu sorgen. Aber auch hier gilt: Dort wo es passt. Es käme niemand auf die Idee den Marktplatz weiter zu bepflanzen, denn dort dominiert ein anderer Aspekt.

»M« Magazin: Darmstadt galt einstmals als die »Stadt im Walde«. Heute sind unsere Wälder aber durch den Klimawandel bedroht. Wo setzen Sie Schwerpunkte, um die Bäume zu erhalten und die Artenvielfalt zu sichern
Anke Bosch:
Darmstadt wird eine »Stadt im Walde« bleiben. Wir erleben aktuell, dass unser Stadtwald, gerade im Westen der Stadt, starke Schädigungen aufweist. Dies ist in erster Linie auf die dramatischen klimatischen Veränderungen zurückzuführen. Auch wenn wir einen massiven Waldumbau erleben, so bleibt es doch unser Stadtwald. Artenvielfalt entsteht auch in einem Wald mit einem hohen Totholzanteil. Die Natur ist wandelbar und anpassungsfähig.

»M« Magazin: Welche Möglichkeiten sehen Sie, um in unserer Stadt ausreichende Lebensräume für die Tiere zu erhalten oder neu zu schaffen?
Anke Bosch:
Wir müssen stärker in Biotopen denken. Heißt: Verbindungen im Grün herstellen, damit sich Tiere verteilen können und ausreichend Lebensräume finden. Das gelingt, indem zum Beispiel eine Wiese nicht komplett gemäht wird, sondern Streifen mit höherem Gras erhalten bleiben.

»M« Magazin: Frau Bosch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

TEXT Hans-Werner Mayer