Barrierefreiheit durch Digitalisierung

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Digitale Helfer für Senioren

Ob twittern, chatten oder surfen, E-Mails versenden oder online shoppen: Für junge und junggebliebene Menschen ist das selbstverständlich. Ältere Menschen haben es aber oft schwerer, sich in der technisierten digitalen Welt zurechtzufinden. Statt Teilhabe für alle, schaffen die neuen digitalen Möglichkeiten oft Barrieren, die nicht alle ohne Hilfe überwinden können.

Knapp 85 Prozent Menschen in Deutschland sind laut Studien bereits digital vernetzt. Auch der Anteil der älteren Menschen, die online sind, steigt stetig an. 69 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 36 Prozent der über 70-Jährigen nutzen das Internet mittlerweile regelmäßig. Doch „20 Millionen ältere Menschen in Deutschland bleiben bei der Digitalisierung auf der Strecke“, sagt Informatikprofessor Herbert Kubicek vom Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib), einem Forschungsinstitut an der Universität Bremen. Er fordert von der Politik massive Investitionen, um auch Senioren bei der Digitalisierung „mitzunehmen“: Denn gerade für die Generation 50 plus schaffen digitale Medien Erleichterung im Alltag und bringen Abwechslung. Menschen mit altersbedingten Einschränkungen, Gedächtnisproblemen oder körperlichem Abbau können von den vielseitigen Chancen der digitalen Helfer profitieren und dadurch wieder mehr Unabhängigkeit gewinnen. 

Vor dem Hintergrund der rapide alternden Gesellschaft argumentiert der Wissenschaftler, wäre es „mehr als fahrlässig, auf diesem Gebiet weiterhin so wenig wie bisher zu tun“. Wichtig festzuhalten ist dabei aber, dass es nicht die Technik selbst ist, die uns vor Probleme stellt. Vielmehr ist es der Umgang mit dieser Technik und die Aufgabe, für Teilhabe von allen zu sorgen, die bisher nicht zur Zufriedenheit erfüllt werden konnte. Die Handhabung und teils komplizierte Installation von Programmen haben eine abschreckende Wirkung auf Senioren. Vorinstallierte Anwendungen, die Nutzer eigentlich nicht brauchen stiften Verwirrung und halten ältere Menschen womöglich davon ab, das Tablet oder Smartphone zu nutzen.

Die Coronapandemie hat viele Seniorinnen und Senioren in die Isolation gedrängt und zum ersten Mal mit der Notwendigkeit der Digitalisierung konfrontiert. Plötzlich waren keine Besuche mehr möglich, statt dem gemeinsamen Spaziergang stand nun ein Videotelefonat auf dem Programm. Das brachte aber ganz praktische Probleme mit sich.

In vielen Pflegeheimen gibt es noch kein flächendeckendes WLAN-Netz, und bei den Senioren zu Hause musste erst einmal herausgefunden werden, wie das mit der Videotelefonie überhaupt funktioniert, wenn überhaupt geeignete technische Geräte vorhanden waren. Die Chance, diese auch zu nutzen, ist aber nicht bei allen gleich groß. Der Altersbericht nutzt den Begriff »Digitale Kluft«, der beschreibt, dass es sowohl zwischen den verschiedenen Generationen als auch den unterschiedlichen Bildungsständen gravierende Unterschiede in der Nutzung digitaler Technologie gibt. Ab einem Alter von 70 Jahren nimmt die Teilhabe drastisch ab, und das insbesondere bei weniger gut ausgebildeten Senioren und Seniorinnen. Das ist schade, bietet die Technik doch vielfältige Möglichkeiten für ein länger selbstbestimmtes Leben.

Viele Frauen und Männer der Generation 50 plus sehen soziale Medien und Netzwerke, wie Facebook oder WhatsApp kritisch. Gleichzeitig sind Oma und Opa sehr gerne online unterwegs, wenn dadurch Kontakt und reger Austausch mit Kindern und Enkeln erleichtert werden. Besonders beliebt ist die Möglichkeit, Bilder zu versenden und zu empfangen; diese Funktion sollten die Großeltern auf jeden Fall erkunden. Damit das gelingt, müssen sich Senioren mit den smarten Geräten vertraut machen.

Die digitalen Helfer sollten deshalb altersgerecht gestaltet sein, denn Senioren können sich digitale Kompetenz aneignen. Enkelkinder kennen die Funktionsweise von Tablets, Smartphones und anderen technischen Geräten und können diese problemlos erklären. Um digital im Alter zu sein werden außerdem immer mehr Kurse angeboten, die Senioren fit für den Umgang mit smarten Geräten und den sicheren Umgang mit dem Internet machen. Wenn das Gelernte direkt in den Alltag integriert werden und daraus ein Nutzen gezogen werden kann, lernen die älteren Menschen die Handhabung digitaler Medien am einfachsten.

TEXT Hans-Werner Mayer