Aufräumaktion im All

Weltraummüll, auch Weltraumschrott, besteht aus künstlichen Objekten ohne Gebrauchswert, welche sich in Umlaufbahnen um die Erde befinden und eine Gefahr für die Raumfahrt darstellen. FOTO: ESA

ESOC will Weltraumschrott reduzieren

Satelliten bestimmen unser Leben. Durch sie kommunizieren wir, erhalten unsere Informationen und navigieren uns durch die Welt. Doch ungefähr die Hälfte aller Satelliten ist außer Betrieb. Hinzu kommt Weltraumschrott, der millionenfach um die Erde fliegt. ESOC-Wissenschaftler in Darmstadt suchen Wege, um künftig Müll im All zu vermeiden und aktiv zu reduzieren.

Ende 2020 unterzeichneten die europäische Weltraumagentur ESA und ein Industriekonsortium unter Leitung des Schweizer Start-Up-Unternehmens ClearSpace SA einen Vertrag für eine aktuell ziemlich einzigartige Dienstleistung: Zum ersten Mal in der Raumfahrtgeschichte soll ein Stück Weltraumschrott aktiv aus der Erdumlaufbahn entfernt werden. Das Abkommen hat ein Volumen von 86 Millionen Euro.

Wenn alles klappt, wird im Jahr 2025 diese erste aktive Mission zur Entfernung von Weltraumschrott starten, der Name: ClearSpace-1. Die Nummer macht deutlich, dass es keine Einzelaktion bleiben soll, sondern der Start regelmäßiger Weltraum-Säuberungsaktionen. Mit seinen Greifarmen soll der „Weltraum-Abschleppwagen“ dann in etwas fernerer Zukunft defekte Satelliten und größere Trümmer einsammeln und aus der Erdumlaufbahn entfernen, um die Gefahr weiterer Kollisionen und das Risiko für aktive Satelliten zu verringern. Das könnte der Beginn eines vielversprechenden Geschäftsmodells werden.

Seit 1957, als der erste Satellit Sputnik startete, hat es rund 200 nachgewiesene Explosionen und Kollisionen im Weltraum gegeben. Aktuell gibt es fast 2.000 aktive und mehr als 3.000 ausgefallene Satelliten im Weltraum. Übrig geblieben sind rund 6.500 Tonnen Schrott, die über unsere Köpfe rasen. Davon über 700.000 Objekte, die größer als ein Zentimeter sind. Immerhin rund 13.000 messen mehr als fünf Zentimeter. Experten gehen zudem davon aus, dass 170 Millionen Objekte herumschwirren, die größer als einen Millimeter sind. Schon ein Teilchen, das nur wenige Millimeter misst, hat im schlimmsten Fall die Einschlagskraft einer Handgranate. Vor allem, wenn es frontal auf den Kollisionsgegenstand trifft. Handelt es sich dabei beispielsweise um einen Satelliten, kann dieser dadurch beschädigt oder gar zerstört werden. Auch die internationale Raumstation ISS und das Weltraumteleskop Hubble sind solchen Kollisionen ausgesetzt.

In den letzten zehn Jahren gesellten sich bereits 1.400 Satelliten zu ihren Kollegen auf die Umlaufbahn der Erde. Und es werden noch viel mehr werden. Grund dafür sind nicht zuletzt große Konstellationen wie die Satellitenkette Starlink von Unternehmer Elon Musk.

Zukünftige Projekte seien zudem eine künstliche Intelligenz, die Ausweichmanöver automatisiert. Und: Laserstrahlen, wie man sie aus Star Wars kennt, sind zwar nicht geplant, wohl aber Photonenstrahlen, die Objekte aus dem Weg „schubsen“ können. Wer künftig einen Satelliten ins All schießt, soll, so die ESA, entweder nachweisen, dass dieser entweder automatisch zurückkomme und verglühe, einen Vertrag mit einem Unternehmen für eine Rückholung haben oder eine Art Pfand abgeben, damit ein Unternehmen beauftragt werden könne.

TEXT Hans-Werner Mayer