GUTE NACHRICHTEN FÜR DEN GELDBEUTEL

©Andrea Groß

Das ändert sich 2019 bei der Steuer

Das deutsche Steuergesetz ist eines der kompliziertesten der Welt — kein Wunder, dass selbst viele Steuerprofis nicht alle absetzbaren Posten kennen. Das »M« Magazin veröffentlicht regelmäßig aktuelle Tipps, mit denen Steuerzahler sparen können. Heute geht es um das Thema Mobilität.

Die Steuereinnahmen des Staates befinden sich auf Rekordniveau – da ist eine Entlastung der Bürger eigentlich überfällig. Zumindest gibt es im kommenden Jahr ein paar kleine Verbesserungen.

Ledige haben ab dem 1. Januar in der Einkommensteuer einen Grundfreibetrag von 9.168 Euro. Das sind 168 Euro mehr als 2018. Verheirateten stehen künftig 18.336 Euro zu, also 336 Euro mehr als bisher. Bis zu diesem Betrag bleibt das Einkommen steuerfrei. Gleichzeitig fängt der Höchststeuersatz von 42 Prozent erst ab einem jährlichen zu versteuernden Einkommen von 55.961 Euro beziehungsweise 111.922 Euro an zu greifen. Bislang langt der Fiskus schon bei Beträgen von mehr als 54.950 beziehungsweise 109.900 Euro mit 42 Prozent zu.

Außerdem gibt es für Kinder mehr Geld. Ab dem 1. Juli 2019 schießt der Staat beim ersten und zweiten Kind 204 Euro pro Monat zu. Bisher beläuft sich das Kindergeld auf 194 Euro. Für das dritte Kind steigt der Satz von 200 auf 210 und für das vierte Kind von 225 auf 235 Euro. Angehoben wird auch der sächliche Kinderfreibetrag: Er erhöht sich um 96 Euro auf 2490 Euro pro Kind und Elternteil, erklärt der Bund der Steuerzahler. Der Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf bleibt unverändert bei 1.320 Euro pro Kind und Elternteil bestehen. Insgesamt wird einem Elternpaar pro Kind im Jahr 2019 also ein Kinderfreibetrag von 7.620 Euro gewährt.

Eine Entlastung gibt es auch bei der Arbeitslosenversicherung. Hier sinkt der Satz von drei auf 2,5 Prozent. Dafür wird es bei der Pflegeversicherung teurer. Für sie zahlen die Bürgerinnen und Bürger künftig 3,05 Prozent ihres zu versteuernden Einkommens. Bislang waren nur 2,55 Prozent fällig. Bei Kinderlosen erhöht sich der Beitrag von 3,05 auf 3,30 Prozent. Unter dem Strich sind die Änderungen bei den Sozialabgaben ein Nullsummenspiel.

Steuervorteile für Elektro-Dienstwagen, Hybridfahrzeuge und Dienstfahrrad

Wer einen elektrisch angetriebenen Dienstwagen oder ein Hybridfahrzeug nutzt, musste bisher die Privatnutzung mit einem Prozent des Listenpreises pro Kalendermonat versteuern. Für E-Autos, die nach dem 31. Dezember angeschafft werden, sinkt dieser Wert nun auf 0,5 Prozent. Die Neuregelung gilt auch für extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge. Bei einem Bruttolistenpreis von beispielsweise 60.000 Euro sind dann monatlich nur noch 300 Euro statt bisher 600 Euro als Sachbezug zu versteuern. Allerdings ist dieser Steuervorteil begrenzt bis zum 31. Dezember 2021. Wird die Privatnutzung per Fahrtenbuch ermittelt, gibt es eine Halbierung der Abschreibung beziehungsweise Leasingkosten. Die Zurverfügungstellung eines Dienstfahrrads oder E-Bikes auch zur privaten Nutzung ist ab 1. Januar 2019 steuerfrei. Das gilt allerdings nur für die Fahrräder mit unterstützendem Elektromotor, für die keine Versicherungspflicht besteht.

Auch Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs können sich freuen: Jobtickets sind ab Januar 2019 gänzlich steuerfrei. Ziel ist es, so den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Allerdings werden die steuerfreien Leistungen auf die Entfernungspauschale angerechnet.

Gesundheitsförderung durch Arbeitgeber

© Danielle Cerullo

Beim Gang ins Fitnessstudio wird es dagegen komplizierter – zumindest bei der steuerlichen Behandlung. Die Steuerfreiheit von 500 Euro pro Jahr durch den Arbeitgeber für die Gesundheitsförderung wird jetzt an eine Zertifizierung der Maßnahme geknüpft. Für bereits in diesem Jahr 2018 begonnene unzertifizierte Maßnahmen besteht die Zertifizierungspflicht erst ab 2020.

Sonderabschreibung bei Mietwohnungsneubau und Baukindergeld

©Jan Jakub Nanista

In Deutschland fehlt Wohnraum. Um die Bautätigkeit anzuregen, hat der Gesetzgeber zwei neue Maßnahmen getroffen. Für vermietete Wohnbauten gibt es für die ersten vier Jahre nach Fertigstellung neben der normalen linearen Abschreibung eine Sonderabschreibung von fünf Prozent pro Jahr. Somit kommt man auf eine Abschreibung in den vier Jahren von 28 Prozent. Voraussetzung ist, dass die Baukosten je Quadratmeter 3.000 Euro nicht übersteigen und die Immobilie zehn Jahre vermietet wird. Bemessungsgrundlage sind die Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten bis maximal 2.000 Euro. Außerdem muss der Bauantrag oder die -anzeige zwischen dem 31. August 2018 und 1. Januar 2022 erfolgt sein. Für die Anschaffung oder Herstellung einer selbst genutzten Wohnung oder eines Hauses wird für jedes Kind im Haushalt, für das es Kindergeld gibt, ein Baukindergeld von jährlich 1.200 Euro gezahlt — und zwar zehn Jahre lang. Das summiert sich also auf 12.000 Euro je Kind. Voraussetzung ist, dass das jährliche Haushaltseinkommen 90.000 Euro plus 15.000 Euro pro Kind nicht übersteigt. Dazu wird das Einkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres vor Antragstellung herangezogen. Ein Kind, das nach der Antragstellung geboren wird, wird nicht berücksichtigt. Außerdem gilt das Baukindergeld nur bei Immobilien, deren Kauf oder Baugenehmigung nach dem 1. Januar 2018 erfolgt ist.

Mehr Zeit für die Steuererklärung

©Brad Neachtery

Ab dem Steuerjahr 2018 hat jeder zwei Monate mehr Zeit für seine Steuererklärung. Statt wie bisher bis Ende Mai müssen die Dokumente nach Angaben der VZ NRW künftig immer erst bis zum 31. Juli eingereicht werden. Eine längere Frist gibt es auch, wenn ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein hilft.

QUELLEN: VZ NRW, Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH)

TEXT Hans-Werner Mayer