FRAUENPOWER – Frauen verändern die Wirtschaft

FOTO: Weltfrauentag 2018

Frauen verändern die Wirtschaft

Die Geschichte des weiblichen Kampfes um Selbstbehauptung ist lang. Zu allen Zeiten hatten es Frauen schwer, sich eine Stimme zu verschaffen, die über die ihnen oft überlassene Domäne der häuslichen Wirtschaft und der Kinderaufzucht hinausging. Doch der Einfluss von Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nimmt stetig zu.

In vielen Regionen der Erde sind Frauen bereits besser gebildet und erfolgreicher – und bewirken so einen grundsätzlichen Wandel unserer männerdominierten Welt. Bei den Karrierechancen besteht aber noch immer eine große Diskrepanz, um nicht zu sagen Ungleichheit. So beträgt in Deutschland der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch rund 20 Prozent. Dabei ist durch Studien längst bewiesen, dass Frauen in Führungspositionen ein Garant für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg sind.

Die aktuelle UN-Studie »World Survey on the Role of Woman in Development« belegt, dass Unternehmen mit weiblichen Vorständen in OECD-Ländern 42 Prozent höhere Verkaufsgewinne erzielten. Der weibliche Führungsstil ist geprägt von Lösungs- orientierung und der Konzentration auf Sachverhalte. An der Unternehmensspitze verändern Frauen die Kultur des Unternehmens, denn sie bringen andere Erfahrungen, andere Werte und ein anderes Bild von den Kunden, Mitarbeitern und der Wirtschaft mit. Empathie ist heute im Management unverzichtbar. Management bedeutet längst nicht mehr „befehlen“, sondern mit Situationen zurechtzukommen, in denen keine Kontrolle ausgeübt werden kann. Frauen schreibt man einen empathischen Führungsstil zu. Sie coachen mehr als zu befehlen. Männer verfügen noch über ein Arsenal an „alten“ Eigenschaften und Erfahrungen wie Rhetorik, Durchsetzungskraft, Selbstmarketing. Dieses Modell „Chef“ wird wohl bald ausgedient haben, denn je mehr digitalisiert wird, desto mehr Kommunikation wird erforderlich. Und zwar auf Augenhöhe statt von oben herab.

Gefragt sind Transparenz und mehr konstruktives Feedback. Es gilt die Mitarbeiter selbständiger und flexibler arbeiten zu lassen, dabei mehr zu unterstützen und coachen, gleichzeitig loszulassen und zu vertrauen. Dafür wiederum braucht man eine ganze Menge Empathie und Intuition für die Mitarbeiter und das deckt sich wunderbar mit den Attributen, die klassischerweise als weiblich gelten.

Wenn man sagt, dass die Zukunft weiblich sei, klingt das, nach jahrhundertelanger Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen und Mädchen wie eine super Sache. Ganz so einfach ist das dann aber doch nicht. Noch immer arbeiten zu wenige Frauen in Bereichen wie etwa Naturwissenschaft oder Informatik. Der Frauenanteil in Bereichen wie Elektrotechnik liegt zwar im Moment im Schnitt nur bei etwa zehn Prozent. Doch ist die Tendenz eindeutig steigend. Unternehmen, Eltern und Schulen müssen gemeinsam daran arbeiten, diese Berufe auch jungen Frauen nahezulegen. Zudem gibt es immer mehr Initiativen, durch die Mädchen schon früh mit technischen Berufen in Berührung gebracht werden, wie den »Girl’s Day«. 

Frauen werden noch zu häufig vor die Wahl Beruf oder Familie gestellt. Dabei entscheiden sich weibliche Führungskräfte häufig gegen Kinder, was die Entwicklung der alternden Gesellschaft zunehmend unterstützt. Männer hingegen, die aus der klassischen Rollenverteilung ausbrechen wollen, sehen sich häufig mit Konflikten mit den Vorgesetzten konfrontiert, besonders wenn es um das Thema Elternzeit geht. Doch auch in diesem Bereich geht es langsam voran. Zumal eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch der Wunsch von immer mehr Männern ist. 

Der unaufhaltsame gesellschaftliche Aufstieg der Frauen hängt eng mit ihrer immer besser werdenden beruflichen Qualifizierung zusammen. Nicht nur in Deutschland, auch weltweit steigt die Zahl der beruflich aktiven Frauen kontinuierlich an, leider oft unter prekären Bedingungen. In den meisten westlichen Ländern nähern sich die Erwerbsquoten von Frauen denen der Männer an, wenn auch noch äußerst langsam. Diesen Trend dokumentieren jüngste statistische Studien der OECD. Leider verführen die positiven Entwicklungen oft zu dem Schluss, dass der Entwicklung eine Eigendynamik innewohne und sich auch ohne größere Anstrengungen weiter fortschreibe. Gerade die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Geschlechter bleibt ein vielschichtiges Problem, das hohe Anforderungen an Wirtschaft und Verwaltung, in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stellt.                 

QUELLE: Brigitte

 

Bei den Karrierechancen besteht aber noch immer eine große Diskrepanz, um nicht zu sagen Ungleichheit.

FOTO Kirk Sage & Andrea Groß