»DIGITALER KOMPETENZERWERB MUSS NACHHALTIG GEFÖRDERT WERDEN«

Frau Blitz, zum neuen Schuljahr haben Sie die Geschäftsführung der Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT Südhessen übernommen, die bereits seit 40 Jahren bestehen. Was möchten Sie bei Ihrer neuen Aufgabe erreichen?

ANKE BLITZ ist die neue Geschäftsführerin der Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT Südhessen.

Unser Ziel ist es, die langjährige Partnerschaft zwischen Schulen, Hochschulen und Unternehmen in Südhessen weiter auszubauen. Über 30 Jahre hat Reinhold Stämmler als Geschäftsführer der Arbeitskreise das Bildungsnetzwerk stetig weiterentwickelt und dessen Angebote zukunftsorientiert ausgebaut, mit dem Ziel, die Distanz zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem zu überwinden. Dieser Anspruch ist unverändert aktuell, gerade in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung. Lernen und Lehren müssen daher noch intensiver zur Querschnittsaufgabe werden und fächerübergreifenden Kompetenzerwerb leisten. Wir werden verstärkt mit Best-Practice- Beispielen aus Unternehmen und Bildungseinrichtungen unser Fortbildungsprogramm erweitern und so neue Interaktionsmöglichkeiten schaffen. Die digitale Lernwelt wird weiterhin Schwerpunkt unserer Arbeit sein. Dabei werden wir nicht nur die digitale Transformation im Bildungswesen begleiten, sondern in den kommenden Monaten auch unsere eigenen digitalen
Angebote weiter ausbauen.

Was wünschen Sie sich von der Bildungspolitik, damit sich in den Schulen die unterschiedlichsten Talente besser entwickeln können und nachhaltige Bildung auf Dauer gewährleistet ist?

Wichtig ist, dass Schulen mit verbindlichen Bildungsstandards Allgemeinbildung, Fachwissen und soziale Kompetenzen lehren. Digitaler Kompetenzerwerb muss nachhaltig gefördert werden. Die gegenwärtige Bildungspolitik schlägt eine falsche Richtung ein, da berufliche Bildung in Deutschland und Europa seit Jahren vernachlässigt wird und zudem die akademische Bildung an Qualität verloren hat. Obwohl beide Bildungswege verschieden sind, haben sie doch die gleichen Werte und Ziele: jede Person nach ihren jeweiligen Fähigkeiten bestmöglich (aus)bilden. Um Talente zu fördern, muss zum einen die berufliche Bildung gestärkt werden und zum anderen die akademische Bildung qualitativ verbessert werden. Eine Vernachlässigung dieser Werte und Bildungsideale verstärkt den Fachkräftebedarf.

Digitale Tools gibt es noch selten im Klassenzimmer. Wie kann man digitales Lehren und Lernen nachhaltig fördern?

Informationstheoretisches Denken muss bereits in allen Bildungsphasen geschult werden und ein Schwerpunkt schulischer Bildungsarbeit sowie des lebenslangen Lernens sein. Zudem sollte es profilübergreifend verstanden werden und in möglichst allen Schulfächern sowie in der Lehrerausbildung eine Rolle spielen. Dabei geht es nicht nur um die Ausstattung mit digitalen Lehrmitteln und den quantitativen Einsatz digitaler Medien im Unterricht, sondern insbesondere um qualitativen Kompetenzerwerb. Auch für ein eigenes Schulfach Informatik setzen wir uns ein. Im 41. Jahr unseres südhessischen Fortbildungsprogramms wird Unterricht im digitalen Zeitalter ein Schwerpunktthema sein. Mit zahlreichen Vorträgen, Workshops und Informationsveranstaltungen begleiten wir aktiv die digitale Transformation im Bildungswesen.

Welche gemeinsamen Maßnahmen von Unternehmen und Bildungseinrichtungen halten Sie für notwendig, damit die berufliche und soziale Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern gelingen kann?

Flüchtlinge müssen nach ihrer Ankunft frühestmöglich in Schule, Ausbildung und Beschäftigung kommen. Notwendig ist außerdem eine schnelle Vermittlung der deutschen Sprache und das Erleben einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Dies ist der beste Weg zur dauerhaften Integration und beruflichem Erfolg. Mit der dualen Berufsausbildung hat Deutschland ein von Experten weltweit anerkanntes Erfolgsmodell, das aber vielen Zugewanderten aus anderen Ländern nicht bekannt ist. Umso wichtiger ist es, gerade möglichst viele junge Migranten für dieses praxisnahe Modell zu begeistern und somit die Grundlage für ein eigenständiges und erfolgreiches Berufsleben zu legen. Unternehmen engagieren sich in vielfältiger Weise bei der Integration von Flüchtlingen – vom Erfahrungsaustausch über das Angebot von Praktika bis hin zur Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Die Berufsorientierungsveranstaltungen der Unternehmerverbände Südhessen informieren Jugendliche und Eltern über Ausbildungsmöglichkeiten mit Zukunftsperspektive. Die Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten ist und bleibt in diesen Formaten ein Schwerpunktthema unserer Veranstaltungen.