DARMSTADTS PARTNERSTÄDTE

Brücken nach Europa

Wenn die Völker einander kennenlernen, hat der Hass keine Chance. Das waren die Überlegungen, die 1958 in Darmstadt zu den ersten Städteverschwisterungen führten. Für die vielfältigen Aktivitäten in Sachen Städtefreundschaften erhielt Darmstadt bereits 1964 die Europafahne und im Jahr 1975 sogar den Europapreis des Europarates in Straßburg. Im Darmstädter Stadtbild sind die 15 Schwesterstädte ständig präsent: Sie begegnen uns in Straßennamen als Namensgeber unserer Straßenbahnen, auf Tafeln an den Ortseingängen oder auf Bronze-Flachreliefs in der oberen Rheinstraße. Durch die Festwoche »Europa in Darmstadt – Dialog der Städte« im Juni enteckten viele Darmstädter ihre Partnerstädte wieder neu. Wir greifen diese Idee auf und stellen in dieser und den kommenden Ausgaben unsere Darmstädter Partnerstädte vor, um sie vielleicht zu einer Städtereise anzuregen. Fremde Kulturen und interessante Menschen kennenzulernen ist schließlich das Ziel der »Jumelage«.

ALKMAAR > NIEDERLANDE > PARTNERSTADT SEIT 1958

Der Stadtname kommt von »almere« (viele Seen). Alkmaar hat heute etwa mehr als 100.000 Einwohner und liegt am Nord-Holland-Kanal nur zehn Kilometer von der Nordsee entfernt. Die Stadt mit all ihren Grachten und Zugbrücken, ihren Kirchen und Bastionen liegt am Rande einer nahezu unberührten Polderlandschaft, die ein Naturschutzgebiet bildet. Der historische Stadtkern ist geprägt von Backsteinbauten, Patrizierhäusern mit schmalen, hübsch dekorierten Fenstern. Die alte Sankt Laurens Kirche bildet den Mittelpunkt der Stadt. Man durchquert sie mit dem Rad oder zu Fuß, aber auf keinen Fall mit dem Auto. Allein schon der traditionsreiche Käsemarkt lohnt einen Besuch in der malerischen Stadt. Immer freitags schleppen seit 1622 weiß gekleidete »Kaasdragers« (Käseträger) gewaltige Käselaibe durch die Stadt. Früher wurden bis zu 300.000 Kilogramm Käse in langen Bahnen auf dem Platz aufgebaut und verkauft. Heute sind es immer noch 30.000 Kilogramm – ein Riesenspektakel. Mit Käse haben die Bürger 1573 sogar ihr Freiheit verteidigt: Sie sollen mit alten Käsekugeln auf spanische Angreifer geschossen haben, dieser Sieg wird jedes Jahr am 8. Oktober mit einem Stadtfest gefeiert. Touristenmagnete sind auch das Käse- und das Biermuseum mit einer grandiosen Kneipeneinrichtung. Unbedingt ansehen sollte man sich auch das Beatles-Museum. Besonders pittoresk: Die vielen am Kanal vertäuten Boote und die dreizehn malerischen alten Windmühlen auf dem Gebiet von Alkmaar. Fußballfans können am Wochenende ein Heimspiel von AZ Alkmaar, dem niederländischen Meister von 2013 in dem schmucken neuen Stadion besuchen.

Von Darmstadt nach Alkmaar sind es 490 km. Man erreicht die Partnerstadt über die A3 in 4 Stunden 50 Minuten. Weitere Infos: www.vvvhartvannoordholland.nl

TROYES > FRANKREICH > PARTNERSTADT SEIT 1958

Troyes liegt im Nordosten Frankreichs am Oberlauf der Seine in der Region Champagner-Ardenne. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit und breitete sich entlang an einer römischen Handelsstraße aus und nahm damals ihr noch heute gültiges Aussehen an: die Form eines Champagnerkorken. Troyes mit seinen etwa 60.000 Einwohnern ist heute eine Universitätsstadt und lebt hauptsächlich vom Tourismus und dem Weinbau. Ihre Trauben werden fast ausschließlich zu Champagner gekeltert. Von der einstmals blühenden Textilindustrie ist nur noch eine Firma übrig geblieben, die mit über 1.000 Beschäftigte Textilien der bekannte Marke »Lacoste« produziert und im Direktverkauf anbietet. Der Altstadtkern, der von mehreren Armen der Seine durchzogen wird, wurde liebevoll restauriert und lädt mit reizvollen engen Gässchen und alten Häusern des 16. bis 18. Jahrhunderts zu einem gemütlichen Bummel ein. In Troyes stehen zehn Kirchen unter Denkmalschutz. Wunderschöne Kirchenfenster aus dem 13. bis 17. Jahrhundert zieren die »Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul«. Auch das Museum für moderne Kunst mit Werken berühmter Maler wie Braque, Matisse, Cezanne und Picasso lohnt einen Besuch. In der historischen Hauptstadt der Region Champagne kommen natürlich auch Feinschmecker auf ihre Kosten und können eine Reihe regionaler Spezialitäten probieren. Zum Beispiel die »Andouillette«, eine Wurstspezialität, den »Chaource«, eine regionale Käsesorte und natürlich den Champagner und andere berühmte Weine der Region.

Von Darmstadt nach Troyes sind es 480 Kilometer. Man erreicht die Partnerstadt über die A6 und die A4 in vier Stunden und 40 Minuten. Mehr Infos: www.tourisme-troyes.com

CHESTERFIELD > ENGLAND > PARTNERSTADT SEIT 1959

Chesterfield mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern liegt südlich von Sheffield in der Grafschaft Derbyshire an der Einmündung des Flusses Hipper in den Rother. Ganz in der Nähe liegt der Sherwood Forrest, mit dem vermeintlichen Hauptquartier von Robin Hood. Urkundlich erwähnt wurde Chesterfield zum ersten Mal im Jahre 955. Das Marktrecht verlieh im Jahre 1204 der englische König John, der jüngere Bruder von Richard Löwenherz. Mit ihren historischen Herrenhäusern, ihren wunderschönen Gärten und Parkanlagen vermittelt die Stadt heute noch einen authentischen Eindruck der einstigen Lebenswelt des englischen Adels. Das Wahrzeichen der Stadt ist die schiefe Kirchturmspitze der Kirche »St. Mary and All Saints« aus dem 14. Jahrhundert. Fachleute vermuten, dass sich wohl zu frisches Eichenholz beim austrocknen so verdreht hat, dass die Spitze rund 2,90 Meter vom Mittelpunkt der Kegelbasis abweicht. Eingang in die englischen Geschichtsbücher fand Chesterfield durch eine Kneipe mit dem Namen »Cook an Pinot Inn«. Hier heckten 1688 die Umstürzler der »glorreichen Revolution« ihre Pläne aus, um König James II ohne Blutvergießen vom Thron zu verjagen. Zum Wohlstand kam die Stadt durch ihren berühmtesten Sohn, George Stephenson, den Erfinder der Eisenbahn und der Grubenlampe. In den letzten Jahren hat sich der wirtschaftliche Schwerpunkt vom Kohleabbau auf Unternehmen der New Technology und den Dienstleistungssektor verlagert. Die Stadt ist außerdem Namensgeber der Chesterfield Sitzmöbel, die seit 1770 bei dem bekannten englischen Möbelhaus Robert Adam hergestellt werden.

Von Darmstadt nach Chesterfield sind es rund 1.000 Kilometer. Man kann mit der Fähre oder durch den Eurotunnel auf die Insel kommen oder mit Ryanair von Frankfurt Hahn bis nach Manchester fliegen, der Airport liegt 60 Kilometer von Chesterfield entfernt.

Trondheim > Norwegen > Partnerstadt seit 1968

Die Stadt liegt in Mittelnorwegen nur 500 Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernt. Begünstigt durch den Golfstrom hat Trondheim ein mildes Klima und liegt an einem eisfreien Fjord. Mit rund 190.000 Einwohnern ist Trondheim — nach Oslo und Bergen — die drittgrößte Stadt Norwegens und nimmt als früherer Handels-, Krönungs- und Wallfahrtsort einen besonderen Platz in der norwegischen Geschichte und Kultur ein. Der eisfreie Trondheimer Fjord war der Grund, warum Wikingerkönig Olav Tryggvason 997 hier eine Stadt mit dem Namen Nidaros gründete, die Hauptstadt und Königssitz seines gerade vereinigten norwegischen Reichs wurde und sich schnell zu einer wichtigen Handelsstadt entwickelte. Bis zum 13. Jahrhundert war Nidaros die Residenzstadt der norwegischen Könige. Der Nidaros Dom ist die bedeutendste Kirche Skandinaviens und war im Mittelalter Ziel großer Wallfahrten, später fanden hier die Königskrönungen statt. Er wurde über dem Grab von König Olav Haraldsson errichtet, der Norwegen von 1015 bis 1030 regierte und mit Hilfe deutscher Missionare die Christianisierung des Landes vorantrieb. Nach seinem Tod erhielt Olav den Beinamen „der Heilige“ und wurde zum Schutzpatron des Landes. Das Palais Stiftsgården ist das größte Holzgebäude des Nordens. Es wurde 1778 als Privathaus mit allein 140 Zimmern errichtet und wird heute als königliche Residenz genutzt. Ein besonderes Schmuckstück ist auch die alte Stadtbrücke mit geschnitzten Holzgeländern und Holztoren, die den Fluß Nidelv überquert. In den alten Speicherhäusern am Ufer des Flusses spiegelt sich heute noch die frühere Bedeutung Trondheims als Handelsstadt wieder. Die Alte Stadtbrücke führt in das Stadtviertel Bakklandet, das schon allein wegen seiner typischen nordischen Holzbauweise einen Bummel wert ist. Die dort zunächst als Arbeiterwohnungen im 17. Jahrhundert errichteten Holzhäuser wurden restauriert und firmieren heute als Weltkulturerbe von der UNESCO. In den letzten Jahren hat sich Trondheim zu einem attraktiven Wirtschafts- und Forschungsstandort entwickelt. Der in Trondheim ansässige Fußballklub »Rosenborg« hat sich mehrmals für die UEFA Champions League qualifiziert.

Von Darmstadt nach Trondheim sind es 1.486 Kilometer. Mehrere Fluggesellschaften fliegen von Frankfurt in 3:45 Stunden direkt nach Trondheim.

GRAZ > ÖSTERREICH > PARTNERSTADT SEIT 1968

Graz ist die Landeshauptstadt der Steiermark und mit 290.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Österreichs und der Großraum war in den letzten zehn Jahren der am schnellsten wachsende Ballungsraum in der Alpenrepublik. Die Stadt wurde erstmals vor fast 900 Jahren erwähnt. Im Mittelalter und in der Renaissance war sie glanzvolle Residenz der Habsburger und besitzt noch heute die größte und am besten erhaltene Altstadt in Mitteleuropa, die von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Mit drei Universitäten, der Musikhochschule, unzähligen Bühnen, einer Vielzahl an Museen und einem reichhaltigen Konzertangebot kann Graz kulturell durchaus mit Wien konkurrieren. Im Jahr 2003 trug Graz den begehrten Titel »Kulturhauptstadt Europas« Der Schlossberg erhebt sich 473 Meter hoch über die einzigartig roten Grazer Ziegeldächer. Der Uhrturm auf dem »Grünen Berg« ist das Wahrzeichen der Stadt. Sein Original Uhrwerk schlägt seit 1712 — auch wenn der Minutenzeiger kleiner als der Stundenzeiger ist — pünktlich jede Stunde. Wem der Aufstieg über die Treppen zu mühsam ist, der kann auch die Schlossbergbahn oder den Lift nutzen. Im Inneren des Schlossbergs boten einst Stollen der Bevölkerung in Kriegszeiten Schutz. Ein weiteres Wahrzeichen ist die künstlich angelegte Murinsel mit Café und einem Amphitheater des Star-Designers Vito Acconci. Der Arkadenhof des Landhauses gilt als Meisterwerk der italienischen Renaissance. Das Kunstwerk des Festungsbauers Dominic dell´Allio aus dem 16. Jahrhundert bildet heute den stimmungsvollen Rahmen für Konzerte und Freilichtaufführungen. Das Rathaus befindet sich an der Südseite des durch zahlreiche „Marktstandl“ belebten Grazer Hauptplatzes.

Von Darmstadt nach Graz sind es 726 Kilometer, man erreicht die Partnerstadt über die A3 in sechs Stunden und 30 Minuten. Schneller geht es mit dem Flugzeug. Gut und günstig und direkt ab Frankfurt mit Austrian Airlines mehrmals täglich.

WEITERE INFORMATIONEN

Das Amt für Interkulturelles und Internationales unterstützt den Austausch mit den Partnerstädten und fördert Begegnungen im Rahmen von internationalen Kontakten. Unterstützung bekommen nicht nur Gruppen, Schulen, Vereine und Institutionen, sondern auch einzelne Bürger und Bürgerinnen. Jeden Monat erscheint der »Brückenschlag« mit Terminkalender und Informationen zu Konzerten, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen sowie allen geplanten Projekten. Er ist in den städtischen Einrichtungen erhältlich. Für die beste Darmstädter Jugendarbeit im Rahmen der europäischen Verständigung wird alle zwei
Jahre der Europa-Jugendpreis-Darmstadt ausgeschrieben, bei dem Preise im Gesamtwert von 1.000 Euro zu gewinnen sind.