Bus kommt ohne Fahrer — Einsteigen bitte!

Foto: Continental

Autonom und elektrifiziert

In Frankfurt konnte man Mitte April das Busfahren ohne Busfahrer ausprobieren und sich fahrerlos über den Campus der Hochschule kutschieren lassen. Das Unternehmen Continental hat das Versuchsfahrzeug »CUbE« aufgebaut um die fahrerlose Mobilität insbesondere in Städten zu ermöglichen.

Der »CUbE« (Continental Urban Mobility Experience) hat sechs Sitze- und sechs Stehplätze, wiegt voll besetzt 2,7 Tonnen und drehte problemlos auf dem Campus der »Frankfurter University of Applied Sciences« (UAS) am Nibelungenplatz seine Runden. Das Testfahrzeug gleitet fast lautlos über eine 600 Meter lange Strecke mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h auf virtuellen Schienen, die vorher einprogrammiert worden sind.

Der »CUbE« dient als Entwicklungsplattform bei Continental für das große Spektrum an Technologien, die für den künftigen Betrieb fahrerloser Mobilitätssysteme notwendig sind. Beim Technologieunternehmen Continental ist man davon überzeugt, dass solche autonomen und elektrisch angetriebenen Fahrzeuge – ohne Fahrer, Lenkrad und Bremspedal – einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssituation und damit der Lebensqualität in städtischen Gebieten leisten werden.

Die im Fahrzeug verwendete Technik basiert in vielen Bereichen auf bewährten Komponenten von Fahrerassistenzsystemen, wie sie bereits heute in Serienfahrzeugen verbaut sind. Aber auch neuen Technologien wie beispielsweise dem Laser Sensor. Ausgehend von dieser Kompetenz werden diese Systeme weiterentwickelt, um das Fahrzeug vollständig autonom zu steuern.

Wodurch wissen fahrerlose Fahrzeuge, wo sie sich befinden?

Wenn fahrerlose Fahrzeuge sich zukünftig den Verkehrsraum mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen sollen, müssen sie die gesamten Einflussmöglichkeiten des Fahrens beherrschen. Kamera-, Radar und Lasersensorik tun  das, was bisher Aufgabe des Fahrers ist. Sie müssen das Fahrzeugumfeld wahrnehmen, Verkehrssituationen interpretieren und entsprechend handeln. Die Herausforderungen im urbanen Umfeld sind vielfältig. So gilt es unter anderem Eigenschaften von Straßen, Gehwegen, Zebrastreifen, Verkehrszeichen und Ampeln zu erkennen, sowie beispielsweise die Handlungen von Fußgängern, Fahrradfahrern und Autos im dichten Verkehr zu interpretieren und die eigene Fahrstrategie daran anzupassen. Diese Szenarien erprobt Continental bereits heute am Standort Frankfurt.

Ziel des Testbetriebs ist der Austausch zwischen Continental, EasyMile als intelligentem Mobilitätslösungsintegrator und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) als möglichem, künftigem Betreiber solcher Mobilitätssysteme um zukünftige Anforderungen an fahrerlose Fahrzeuge und Nutzungsmodelle gemeinsam und realitätsnah zu ermitteln.

Sicherheit hat oberste  Priorität

Nach dem tödlichen Unfall mit einem autonomen Fahrzeug vor einigen Wochen in den USA flammte die Debatte um die Sicherheit selbstfahrender Autos neu auf. Doch bei aller Tragik — der Fall ist kein Beleg dafür, dass die Technologie ihre Versprechungen nicht erfüllen kann. Denn in diesem Punkt sind sich Ingenieure, Unfallforscher und Versicherungsmathematiker einig: Sensoren oder Software eines Roboterautos mögen bisweilen versagen, doch die Zahl der Fälle, in denen ein menschlicher Fahrer für einen Unfall verantwortlich ist, liegt dramatisch höher. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Unfälle um neunzig Prozent reduzieren ließe, wenn nur noch Computer die Autos steuerten. Die Basis ihrer Formel ist simpel: Neunzig Prozent aller Unfälle gehen auf menschliches Versagen zurück.

Foto: Continental

Text: Hans-Werner Mayer