Besohlte Leidenschaft

Foto Kris Atomic

Extrem hohen Suchtfaktor haben dabei Kreationen von angesagten Designern: Es sind Schusters Rappen mit Must-Have-Effekt, deren Umsatz vor allem durch Modeblogger oder durch Hollywoodproduktionen weltweit angekurbelt wird. Eines der berühmtesten Beispiele dafür ist der hochhackige Schuhspleen, der in der Serie „Sex and the City“ von den Protagonistinnen ausgelebt wurde. Ohne diese Fashion-Werbung wären wohl rotsohlige Edelteile vom  Franzosen Christian Louboutin oder die 12-Zentimeter-Absatz-Träume von Manolo Blahnik nur halb so bekannt und viel weniger wären wahrscheinlich bereit, die atemberaubenden Preise für solche Luxus-Stilettos zu zahlen.

Schuhe haben nicht nur bei Frauen Suchtpotenzial

Gabriela Gioia

Betrachtet man es nüchtern, sind Schuhe eigentlich praktische Nutzgegenstände, die die Füße beim Laufen vor Schmutz und Verletzungen schützen sollen. Doch für viele Menschen – insbesondere in den westlichen Konsumgesellschaften – sind sie mehr als nur zweckmäßige Schutz-Bekleidung für die unteren Extremitäten. Schuhe mutieren nämlich immer öfter zu regelrechten Objekten der Begierde, die in zigfachen Variationen von ihren Trägern lustvoll zur Schau getragen werden oder als gehegte Sammelstücke ein behütetes Dasein in Schränken und Regalen fristen.
Besonders häufig infiziert von grassierender Schuhmanie mit großer Leidenschaft für Pumps, Stiefel & Co sind modebewusste Frauen. Sie besitzen laut Umfragen mit etwa 18 Paar im Schnitt doppelt so viele Exemplare wie Männer. Vielen Fashionistas werden solche Mengenangaben allerdings nur ein müdes Lächeln abringen. Ihre Schuhkollektionen, von denen übrigens häufig ein guter Teil niemals ausgeführt wird, sind wesentlich umfangreicher – können auch mal mittlere dreistellige Dimensionen erreichen.

…durchschnittlich besitzen

FRAUEN 18 paar

Autumn Goodman

MÄNNER 9 Paar

Doch warum lieben Frauen (teure) Schuhe eigentlich so sehr? Warum sind manche regelrecht verrückt danach?

Experten erklären den verbreiteten „Will-ich-haben-Tick“ damit, dass ein Schuhkauf meist für große und schnelle Befriedigung sorgt: Gleich ob man ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, schönes Schuhwerk passt immer und Frau fühlt sich im „Fußumdrehen“ sofort attraktiv.
So hat ein Schuhkauf vor allem viel mit positiven Emotionen zu tun. Neue Sandalen, Ballerinas oder Stiefeletten werden dann gewissermaßen zu kleinen begehbaren Glücksinseln, die einen durch den Tag tragen und gleichzeitig Bodenhaftung geben. Und je nachdem welcher Schuh den Fuß kleidet, kann sich Gang und Auftreten entsprechend verändern. So haben wohl keine anderen Mode-Accessoires – auch keine Handtaschen – so viel Einfluss auf ein gutes Körpergefühl.

Auch wenn dem weiblichen Teil der Menschheit häufiger ein leidenschaftliches Verhältnis zu Schuhen nachgesagt wird, frönen mittlerweile auch immer mehr modisch interessierte Männer weit jenseits der Sandalen-mit-weißen-Socken-Kultur der ‚Shoemania‘. Auffällige und ästhetische Hingucker auf Sohlen sind für sie vor allem ein Zeichen für Status und Selbstbewusstsein – gleich ob sich das jeweilige Mannsbild auf handgenähten Luxus-Wildledertretern, auf Cowboystiefeln in Kroko-Optik oder auf mittelbraunen Rindsleder-Budapestern durch sein privates oder berufliches Dasein bewegt. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der maskulin geprägte Run auf Fußbekleidung, wenn es um coole Sneakers geht.

Hier hat die kommerzielle Hysterie rund um bestimmte Marken und Modelle mittlerweile Dimensionen angenommen, die mit dem Kult um manche Smartphones zu vergleichen ist. So ist es auch bei hippen Sportschuhen nicht mehr ungewöhnlich, dass Fans in fast fanatischer Regelmäßigkeit vor den Flagstores bekannter Hersteller kampieren, um morgens möglichst die ersten zu sein, die das innovative und limitierte Sonder-Supermodell für ein kleines Vermögen ergattern können. Angeheizt wird dieser Hype zusätzlich durch Promis aus der Film-, Sport- oder Musikbranche. Als Vermarkter eines Labels verleihen sie dem Produkt dann erst recht Star-Appeal.
Und das färbt ab.
So wird sportliches Schuhwerk – insbesondere für jüngere Männer – zum Prestigeobjekt, zum Lifestyle-Produkt, das nicht mehr auf Bolzplätzen zum Einsatz kommt, sondern als urbanes, hippes Accessoire, Ansehen und Exklusivität verleiht. Das geht so weit, dass sogar Businessmen in feinem Zwirn mittlerweile „unterherum“ Sneakers tragen. Besohlte Design-Statements mit Echte-Kerle-Image sind eben auch für Männer verführerisch: Ein Mode-Fetischismus der besonderen Art, wo auch für das starke Geschlecht ein Schuh draus wird.

Clark Street Mercantile

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